Das Ende einer Ära in New York
Stan Wawrinka hat am Montag in Flushing Meadows sein letztes Grand-Slam-Match bestritten — und verloren. Der 41-jährige Schweizer unterlag Matteo Berrettini mit 6:7, 7:6, 7:6, 7:6 nach 252 Minuten auf dem Grandstand-Court der US Open. Wawrinka, der seinen Rücktritt für das Saisonende 2026 angekündigt hatte, wurde vom New Yorker Publikum mit einer stehenden Ovation verabschiedet. Es war der letzte Grand-Slam-Auftritt einer der prägendsten Figuren seiner Spielergeneration.
Dass Wawrinka überhaupt im Hauptfeld stand, war keine Selbstverständlichkeit. Zunächst war er für die Wildcard-Liste übergangen worden — ein Umstand, den er öffentlich als schmerzhaft bezeichnet hatte. Erst als der Amerikaner Patrick Kypson verletzungsbedingt absagte, öffnete sich die Tür. Vor dem Match schrieb Wawrinka auf seinen sozialen Kanälen: „Winning the US Open, in the city that never sleeps, will forever be one of the greatest moments of my life. Forever grateful. Forever New York." Als er erstmals als junger Profi aus einem kleinen Schweizer Dorf nach New York gekommen sei, so Wawrinka, habe ihm die Stadt überwältigend groß gewirkt — doch Jahr für Jahr sei sie zu einem seiner liebsten Orte geworden.
Vier Sätze, vier Tiebreaks — wie in Wimbledon
Der Matchverlauf erinnerte fast punktgenau an ihr Erstrunden-Duell in Wimbledon im Juli, das Berrettini ebenfalls mit 6:7, 7:6, 7:6, 7:6 gewonnen hatte — kein einziger Satz ohne Tiebreak. Auf dem Grandstand-Court der US Open wiederholte sich das Muster. Berrettini spielte ohne Setzlistenplatz, bewies aber auf dem Hartplatz die nötige Kaltblütigkeit, um in den entscheidenden Phasen jedes Tiebreaks ruhig zu bleiben. Wawrinka kämpfte bis zum Ende: Sein legendärer Einhandrücken blieb auch im letzten Grand-Slam-Match eine gefährliche Waffe, doch der Italiener war konsistenter.
Nach 252 Minuten war Wawrinkas Grand-Slam-Karriere Geschichte. Der Schweizer genoss den Abschiedsmoment auf dem Court sichtlich, ließ die Reaktion des Publikums auf sich wirken — ein würdiges Ende für einen Spieler, der New York stets besonders mochte.
Wawrinkas Erbe: Drei Majors gegen die Weltranglisten-Ersten
Wawrinka hinterlässt ein außergewöhnliches Erbe. Alle drei seiner Grand-Slam-Titel — Australian Open 2014, Roland Garros 2015 und US Open 2016 — gewann er gegen den jeweils amtierenden Weltranglistenersten. Den Titel in New York holte er mit einem Finalsieg gegen Novak Djokovic — auf exakt jenen Courts, auf denen er nun seine Karriere beendete. Djokovic war am Sonntag selbst überraschend ausgeschieden, in fünf Sätzen besiegt vom Argentinier Mariano Navone. Beide Finalisten von 2016 verließen das Turnier damit bereits in Runde eins der Ausgabe 2026.
Berrettini weiter, nächster Gegner folgt
Berrettini zieht in die zweite Runde der US Open 2026 ein und trifft dort auf den Sieger einer weiteren Erstrunden-Partie. Ohne Setzlistenplatz könnte der Weg durch das Tableau anspruchsvoll werden — doch zwei Siege in dieser Saison gegen Wawrinka, beide Male in vier Tiebreak-Sätzen, bestätigen seine Fähigkeit, auf großen Bühnen abzuliefern. Das Turnier beginnt jetzt erst.
Tennis Post Redaktion
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