Sinner fehlt — Zverev übernimmt die Führungsrolle
Das Hauptfeld der US Open 2026 ist am Sonntag in New York angelaufen, und anders als in den vergangenen Jahren fehlt ein entscheidender Name im Tableau: Jannik Sinner. Der Weltranglistenerste hat sich aufgrund einer Knieverletzung zurückgezogen und verpasst damit das letzte Grand-Slam-Turnier des Jahres. Die Konsequenz ist historisch: Zum ersten Mal seit langer Zeit geht ein US Open ohne den amtierenden Weltranglistenersten an den Start.
Von dieser Abwesenheit profitiert in erster Linie Alexander Zverev. Der Hamburger rückt zur Nummer eins auf und tritt beim US Open zum ersten Mal überhaupt als Topseed an. Es ist eine Rolle, die er sich lange erarbeitet hat — und eine, die in Flushing Meadows eine enorme Bürde mit sich bringt. Zverev eröffnet seinen Wettbewerb gegen den Italiener Lorenzo Sonego. Bei gutem Verlauf käme er erst in der zweiten Woche auf Spieler seiner eigenen Gewichtsklasse zu treffen, da seine Hälfte des Tableaus als die offenere der beiden gilt.
Für den 29-Jährigen ist das US Open eine Chance, die er sich nicht entgehen lassen darf. Viermal stand er bereits in einem Grand-Slam-Finale, und viermal verließ er den Platz ohne den Titel. Das Drama von Roland Garros 2020, der Finalaufritt in Melbourne 2023 — die Erinnerungen sind präsent, die Aufgabe klar: In New York muss der Knoten endlich platzen.
Alcaraz kehrt nach langer Verletzungspause zurück
Das zweite bestimmende Thema des Starttags ist die Rückkehr von Carlos Alcaraz. Der Spanier, amtierender US-Open-Champion, hatte die French Open und Wimbledon wegen einer Handgelenksverletzung verpasst und bestreitet in New York sein erstes Einzelspiel seit April. Er trifft in der ersten Runde auf Roman Safiullin — kein einfacher Auftakt für jemanden, der nach monatelanger Matchpause direkt auf Grand-Slam-Niveau einsteigen muss.
Alcaraz und Novak Djokovic befinden sich in derselben Tableauhälfte. Eine mögliche Halbfinalbegegnung zwischen dem Titelverteidiger und dem vierfachen US-Open-Champion ist damit rechnerisch möglich — und wäre sportlich eines der attraktivsten Duelle des Turniers. Djokovic selbst beginnt gegen den Argentinier Mariano Navone und ist trotz seines Alters weiterhin ein ernstzunehmender Kandidat auf den Titel.
Medvedev, Qualifikanten und ein offenes Tableau
Selten war ein US Open so offen wie dieses. Sinner fehlt, Alcaraz kommt aus einer langen Verletzungspause, und Zverev trägt das Gewicht der Topposition zum ersten Mal. Hinzu kommt eine starke und breite Konkurrenz: Daniil Medvedev trifft in der ersten Runde auf den frischgebackenen Qualifikanten Hugo Gaston — ein Spieler, der sich erst in dieser Woche den Platz im Hauptfeld erkämpft hat und nun gegen einen der härtesten Kontrahenten auf Hartplatz antritt.
Das Qualifikationsfeld war in diesem Jahr bemerkenswert stark, was den Weg durch das Hauptfeld für alle Gesetzten anspruchsvoller macht als gewohnt. Routiniers wie Medvedev haben in solchen Situationen ihren Erfahrungsvorsprung zuletzt nicht immer ausspielen können.
Deutschland schaut nach New York
Mit Zverev als Topseed hat Deutschland in diesem US Open eine echte Hauptrolle. Das Turnier läuft bis zum 13. September, und der erste Spieltag mit dem Hauptfeld verspricht bereits Spannung pur. Die Bedingungen in Flushing Meadows — Hitze, Lärm, schneller Belag — fordern von jedem Spieler das Höchste ab. Zverev ist dort zuhause wie kaum ein anderer Europäer. Jetzt muss er liefern.
Tennis Post Redaktion
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