Lucky Loser mit großem Auftritt
Bernard Tomic stand gar nicht im ursprünglichen Hauptfeld des Turniers. Als Lucky Loser — also als Qualifikant, der in der letzten Qualifikationsrunde scheiterte und erst durch den Rückzug eines anderen Spielers nachrückte — begann er die Woche als Lückenfüller. Doch am Donnerstag besiegte er den viertgesetzten Karen Khachanov mit 6:2 und 6:4 und buchte damit einen Platz im Viertelfinale des Mifel Open in Los Cabos.
Es war Tomics zweiter souveräner Sieg in dieser Woche. Bereits in der ersten Runde hatte der 33-jährige Australier-Kroate Alex Hernández mit 6:1, 6:0 in nur 46 Minuten vom Platz gefegt — berichten zufolge der schnellste ATP-Hauptfeldsieg der Saison 2026. Gegen Khachanov war das Ergebnis knapper, der Eindruck von Kontrolle und Klarheit aber derselbe.
Ein Comeback mit Substanz
Tomics Name tauchte seit Jahren nicht mehr in ATP-Viertelfinaldrawsheets auf. Der einstige Junior-Wimbledonsieger und frühere Weltranglisten-17. war zuletzt eher durch Negativschlagzeilen bekannt geworden — insbesondere durch sein offenherziges Geständnis von 2017, auf dem Platz schlicht gelangweilt zu sein. In der Folge zog er sich schrittweise vom Profitennis zurück.
In Los Cabos ist davon auf dem Platz nichts zu sehen. Gegen Khachanov — unter den Top 30 der Welt und als Viertsetzter einer der Titelfavoriten — agierte Tomic konzentriert und effizient. Er gewann 81 Prozent der Punkte auf den ersten Aufschlag, stand im zweiten Satz keiner einzigen Breakchance gegenüber und ließ seinen Gegner insgesamt lediglich acht Gewinnschläge landen. Khachanovs gefürchtetes Gegenschlagspiel fand gegen Tomics flache, druckvolle Bälle keine Entfaltung.
Dieser Sieg hat Gewicht. Khachanov ist ein mehrfacher Grand-Slam-Viertelfinalist der jüngeren Vergangenheit — das war kein Schnäppchen gegen einen geschwächten Gegner, sondern ein professionelles Auseinandernehmen eines qualitativ hochwertigen Spielers.
Viertelfinale gegen Shapovalov
Im Viertelfinale trifft Tomic nach dem Stand der Dinge auf Denis Shapovalov, der seinerseits Rodrigo Pacheco Mendez souverän mit 6:3, 6:2 bezwungen hat. Der ehemalige Top-10-Spieler bringt mit seinem explosiven Aufschlag und seinen gefährlichen Grundschlägen eine gänzlich andere Herausforderung mit. Es ist das Duell zweier Karrieren, die früh aufflammten und dann auf unterschiedliche Weise abgekühlt sind.
In anderen Teilen des Tableaus haben sich ebenfalls Überraschungen ergeben: Der junge Spanier Alejandro Gea steht ebenfalls im Viertelfinale, nachdem er Zheng Moxuan aus dem Turnier warf, und Francisco Cerundolo hält die argentinische Fahne hoch. Auch der ungesetzte Jenson Brooksby steht in der Runde der letzten Acht.
Für das Turnier in Mexiko bedeutet diese Viertelfinalkonstellation ein ungewöhnlich offenes Bild. Kein einziger Finalist lässt sich sicher vorhersagen — was nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass der viertgesetzte Khachanov bereits in der zweiten Runde scheiterte. Tomic hat zu dieser Ungewissheit maßgeblich beigetragen.
Mehr als ein Ausrutscher
Die Frage, die sich nach dieser Woche stellt, ist, ob das eine einmalige Hochform oder der Beginn einer nachhaltigen Rückkehr ist. Zwei überzeugende Siege in Los Cabos — darunter eine 46-Minuten-Vorstellung und ein klarer Erfolg gegen einen gesetzten Spieler — geben Tomic etwas, das er lange nicht hatte: einen sportlichen Beweis für sich selbst.
Die Viertelfinale beim Mifel Open sind für Freitag, den 31. Juli, angesetzt.
Tennis Post Redaktion
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