Abschied in Tokio: Kei Nishikori beendet seine Karriere gegen Tiafoe
Nach knapp 20 Jahren auf der Tour ist Schluss: Kei Nishikori verliert in Tokio 4:6, 4:6 gegen Frances Tiafoe. Das Publikum feiert Asiens ersten Grand-Slam-Finalisten.

Ein letztes Mal stehende Ovationen in seiner Heimat: Kei Nishikori hat am Donnerstag in Tokio seine Profikarriere beendet. Der 36-jährige Japaner unterlag in der ersten Runde der Japan Open dem an Nummer zwei gesetzten Frances Tiafoe mit 4:6, 4:6. Das Ergebnis war am Ende Nebensache. Im Ariake Coliseum wurde ein Mann verabschiedet, der für das asiatische Herrentennis Türen geöffnet hat.
Tiafoe verzichtete nach dem Matchball auf jeden Jubel und nahm Nishikori am Netz lange in den Arm. Anschließend ehrten die Veranstalter den Lokalmatador mit einer Videobotschaft, in der zahlreiche Weggefährten zu Wort kamen.
„Ich habe bis zum Schluss gekämpft“
Nishikori wandte sich auf dem Platz an sein Publikum. „Ich habe mein letztes Match in Japan gespielt, das war ein großartiger Moment für mich. Danke an Tiafoe, er hat stark gespielt, und ich hoffe, er hat eine gute Woche. Danke, dass ihr meine Karriere über fast 20 Jahre unterstützt habt“, sagte er laut Ubitennis.
Berichten zufolge beschrieb er später, wie ihn die Gefühle auf der Bank auf einmal überwältigten. Da sei ein Gefühl von Verlust gewesen, aber auch Stolz darauf, sein ganzes Leben dieser einen Sache gewidmet und nie aufgegeben zu haben. In Japan zu spielen sei für ihn immer ein besonderer Moment gewesen.
In der Videobotschaft würdigte Novak Djoković, der 20-mal gegen Nishikori gespielt hat, vor allem dessen Comeback-Mentalität: „Deine Widerstandskraft und dein Kampfgeist, nach all den Rückschlägen mit deinem Körper und den Verletzungen immer wieder zurückzukommen, sind wirklich lobenswert und bewundernswert.“ Auch Stefanos Tsitsipas, Grigor Dimitrov, Andy Murray und Alex de Minaur meldeten sich zu Wort. Mehrere von ihnen hoben Nishikoris legendäre beidhändige Rückhand hervor.
Ein Pionier für Asien
Nishikoris Platz in den Geschichtsbüchern ist sicher. Bei den US Open 2014 stand er als erster asiatischer Mann in einem Grand-Slam-Einzelfinale, das er gegen Marin Čilić verlor. 2015 erreichte er Platz vier der Weltrangliste, die beste Platzierung, die je ein Spieler aus Asien bei den Herren erreicht hat. Vor ihm hatte es nur der Thailänder Paradorn Srichaphan in die Top Ten geschafft.
Insgesamt gewann Nishikori zwölf Titel auf der ATP-Tour bei 27 Finalteilnahmen, darunter zweimal das Turnier in Tokio (2012 und 2014). Er feierte mehr als 450 Siege auf Tour-Ebene, stand zweimal im Halbfinale der ATP Finals und erreichte vier Masters-1000-Endspiele, von denen er allerdings keines gewann.
Die letzten Jahre waren von Verletzungen geprägt. Lange Pausen ließen ihn in der Rangliste immer weiter abrutschen, zum Abschied wurde er nur noch auf Position 436 geführt. Gerade dieses ständige Zurückkämpfen hob Djoković in seiner Botschaft hervor.
Turbulenter Tag in Tokio
Abseits des emotionalen Abschieds ging es beim ATP-500-Turnier turbulent zu. Gleich mehrere Gesetzte schieden zum Auftakt aus, darunter Taylor Fritz, Casper Ruud und Brandon Nakashima. Titelverteidiger Carlos Alcaraz musste beim 7:6, 4:6, 6:1 gegen Alex Michelsen über drei Sätze gehen.
Für Tiafoe geht es im Achtelfinale laut Auslosung gegen den Franzosen Arthur Fils weiter. Die Runde der letzten 16 steht in Tokio am Freitag und Samstag auf dem Programm.
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