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ATP

Shelton bezwingt Titelverteidiger Alcaraz im Nacht-Krimi der Geschichte

Ben Shelton besiegt Titelverteidiger Carlos Alcaraz 6:7, 6:1, 6:3, 1:6, 7:6 – das Match endet um 3:33 Uhr und ist die späteste Partie in der 145-jährigen Geschichte des US Open.

Tennis Post Redaktion··2 Min. Lesezeit
Foto: si.robi / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Es ist 3:33 Uhr morgens in New York, und Ben Shelton liegt auf dem Hardcourt des Arthur Ashe Stadiums. Der Achstgesetzte aus den USA hat soeben Titelverteidiger Carlos Alcaraz im Viertelfinale besiegt — 6:7, 6:1, 6:3, 1:6, 7:6 — und damit in 4 Stunden und 28 Minuten den spätesten Spielabschluss in der Geschichte des US Open geschrieben. Alcaraz' Serie von 18 aufeinanderfolgenden Grand-Slam-Siegen ist beendet. Die Zuschauerinnen und Zuschauer, die bis kurz vor Sonnenaufgang ausgeharrt hatten, erlebten ein Match, über das man noch Jahre sprechen wird.

Der Rekord, den Alcaraz sich selbst geholt hatte

Die bisherige Bestmarke für das späteste US-Open-Match gehörte ebenfalls dem Spanier: Im Viertelfinale 2022 überstand er einen Fünf-Satz-Krimi gegen Jannik Sinner, der erst um 2:50 Uhr endete. Vier Jahre später trat Alcaraz erneut als Hauptdarsteller einer Nachtchronik auf — diesmal jedoch als derjenige, der sich am Ende geschlagen geben musste. Den letzten Punkt setzte Shelton mit einem 235-km/h-Ass, das Alcaraz nur anschauen konnte.

Ein Match zwischen Dominanz und körperlichen Grenzen

Der erste Satz war ausgeglichen, Alcaraz sicherte sich ihn im Tiebreak. Danach war es Shelton, der das Tempo diktierte: Mit seiner explosiven Vorhand und einem der stärksten Aufschläge der Tour beherrschte er den zweiten und dritten Durchgang. Als Alcaraz im vierten Set mit 6:1 zurückschlug, war der Krimi wieder offen. Was dann geschah, sprach Bände über die körperliche Belastung des Turniers zu dieser Stunde: Vor dem fünften Satz soll Alcaraz sich übergeben haben, sichtlich am Limit. Er trat trotzdem an, kämpfte bis zum Supertiebreak — und verlor ihn.

„Ich bin erschöpft. Es war ein Krieg", sagte Shelton nach dem Spiel mit zitternder Stimme. „Carlos ist einer der größten Champions unseres Sports. Es war das schönste Match, das ich je gespielt habe." Alcaraz blieb aufrecht in der Niederlage: „Es war sehr nah. Ich bin enttäuscht, aber stolz auf meinen Kampfgeist."

Es ist bemerkenswert, wie dominant Alcaraz in die Partie gegangen war: kein verlorener Satz in den ersten fünf Runden, ein Titel aus dem Vorjahr im Gepäck und das Selbstvertrauen eines Mannes, der in den großen Momenten fast immer liefert. Shelton hatte in den zwei bisherigen Begegnungen verloren. Das änderte sich in einer New Yorker Sommernacht, die in die Geschichte eingehen wird — allein schon wegen der Uhrzeit auf der Anzeigetafel, als der letzte Punkt fiel.

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Rein amerikanisches Halbfinale — 23 Jahre nach Roddick

Sheltons Sieg im dritten Aufeinandertreffen mit Alcaraz ist der größte Erfolg seiner Karriere und bringt ihn in sein zweites Grand-Slam-Halbfinale. Dort wartet Landsmann Frances Tiafoe, der seinerseits in einem fünf Sätze dauernden Comeback gegen Alex Michelsen triumphierte (5:7, 3:6, 7:5, 6:3, 7:6). Damit steht fest: Ein Amerikaner wird beim US Open im Finale stehen.

Die andere Halbfinalpaarung hängt noch von den ausstehenden Viertelfinale ab, an denen unter anderem Alexander Zverev beteiligt ist. Der Deutsche hatte zuvor problemlos die Runde der letzten 16 überstanden und ist einer der heißesten Anwärter auf einen Platz in der Runde der letzten Vier.

Der letzte amerikanische Grand-Slam-Champion im Herren-Einzel war Andy Roddick — ausgerechnet hier in New York, im Jahr 2003. 23 Jahre Durststrecke könnten am Sonntag enden. Die Halbfinale sind für Freitag angesetzt.

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