Zverevs historischer Sommer: Paris-Titel, Wimbledon-Finale, Platz 2
Erst der Triumph von Roland Garros, dann das Wimbledon-Finale: Alexander Zverev spielt den Sommer seines Lebens – nur Jannik Sinner steht ihm noch im Weg.

Es gibt Niederlagen, die sich wie Meilensteine anfühlen. Als Alexander Zverev am Sonntag nach vier Sätzen gegen Jannik Sinner vom Centre Court ging, hatte er das Finale von Wimbledon mit 7:6 (9:7), 6:7 (2:7), 3:6, 4:6 verloren – und trotzdem einen deutschen Tennis-Sommer vollendet, wie es ihn seit den Tagen von Boris Becker nicht mehr gegeben hat.
Paris als Wendepunkt
Die Geschichte dieses Sommers beginnt am 7. Juni in Paris. Dort gewann Zverev das Finale von Roland Garros gegen Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 – sein erster Grand-Slam-Titel und der erste Major-Triumph eines deutschen Herren seit Beckers Sieg 1996 in Melbourne. Fünf Wochen später stand er in Wimbledon im Endspiel, als erster deutscher Finalist an der Church Road seit Becker 1995. Als 13. Spieler der Geschichte hat Zverev nun in allen vier Grand-Slam-Finals gestanden; das Wimbledon-Endspiel brachte ihm umgerechnet rund 2,11 Millionen Euro ein.
Die Belohnung in der Weltrangliste folgte am Montag: Mit 8.480 Punkten überholte Zverev Carlos Alcaraz (8.160) und ist wieder die Nummer zwei der Welt.
„Jannik, ich mag dich nicht mehr"
Nur einer war in diesem Sommer stärker – und das gleich zum zehnten Mal in Serie. Bei der Siegerehrung nahm Zverev die Sinner-Serie mit Humor: „Zuallererst – Jannik, ich mag dich nicht mehr", sagte er, das Publikum lachte. Seine Worte rührten Sinners Box zu Tränen. Der sportliche Ehrgeiz dahinter ist ungebrochen: „Wenn ich näher an sie herankomme … wäre das großartig. Dafür werde ich weiter hart trainieren."
Das Knie als Fragezeichen
Ganz ohne Sorgen endete das Turnier allerdings nicht. Im Finale machte Zverev ein Knieproblem zu schaffen: „Ich hatte anschließend ein wenig Schwierigkeiten, mich beim Aufschlag abzustoßen", räumte er ein. Sein Team sieht sich dennoch „auf dem richtigen Weg". Offiziell betreuen ihn weiter Vater Alexander senior und Bruder Mischa, seit März gehört Physiotherapeut Punzano zum Stab; Berichten zufolge absolvierte Zverev zudem Trainingsblöcke mit Toni Nadal, dessen formale Rolle offen ist.
Ein ganzes Land schaute zu
Wie groß dieser Sommer auch abseits des Platzes war, zeigte sich am Finalwochenende: Amazon Prime, in Deutschland exklusiver Wimbledon-Rechtehalter bis 2027, zeigte das Endspiel wegen Zverev ohne Paywall – der erste deutsche Finalist seit 30 Jahren machte es möglich. Ein deutsches Wimbledon-Finale im frei zugänglichen Stream: Auch das hatte es in dieser Form noch nicht gegeben.
Dass es in London mit dem zweiten Major-Titel nichts wurde, lag am derzeit besten Spieler der Welt. Zehn Niederlagen in Serie gegen Sinner sind ein Auftrag, kein Urteil – zumal Zverev in Paris bewiesen hat, dass er die ganz großen Titel gewinnen kann.
Der Blick nach vorn ist klar definiert: Im Race zu den ATP Finals liegt Zverev auf Platz zwei, 1.410 Punkte hinter Sinner – beide sind für Turin bereits qualifiziert. Dort könnte es im November zum nächsten Aufeinandertreffen der beiden besten Spieler dieses Jahres kommen.
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