Zverev rettet sich um 1:55 Uhr: Thriller-Sieg in fünf Sätzen
Der topgesetzte Zverev kämpfte sich in einem 4:53-Stunden-Krimi gegen den ungesetzten Sonego ins Achtellos — zum zweiten Mal seit 1988 musste ein #1-Gesetzter beim US Open fünf Sätze in der ersten Runde spielen.

Beinahe-Katastrophe für den Weltranglistenersten
Es war kurz vor zwei Uhr morgens New Yorker Zeit, als Alexander Zverev das erste Match seiner US-Open-2026-Kampagne beendete. Lorenzo Sonego, Weltrangliste 89 und mit einer persönlichen Bilanz von 0-7 gegen den Deutschen in die Partie gegangen, brachte den frisch gebackenen Roland-Garros-Champion und topgesetzten Favoriten an den Rand einer historischen Niederlage. Das Ergebnis: 6:4, 3:6, 6:7(7), 7:5, 6:4 — vier Stunden und 53 Minuten — und die ungeschminkte Erkenntnis, dass der Weltranglistenerste bei diesem Turnier noch lange nicht in Topform ist.
Sonego spielte das Tennis seines Lebens. Mit aggressiven Vorhandwinnern, klug platzierten Lobs und einem konsequenten Slice-Rückhand, der kaum aufsprang, trieb der Italiener Zverev immer wieder in die Defensive. Beim Stand von 5:4 im vierten Satz und 30:30 auf Sonegos Aufschlag — der Deutsche nur zwei Punkte vom Ausscheiden entfernt — rettete Zverev mit einem entscheidenden Hold das Match. Er brach direkt zum 5:5, gewann den Satz, und setzte sich schließlich im fünften Durchgang durch. Der entscheidende Break zum 3:2 legte den Grundstein für den Sieg.
Die Statistiken waren ernüchternd: Nur 5 von 22 Breakchancen verwandelt, 39 unerzwungene Fehler. Zverev wusste das selbst. "Ich bin froh, dass ich diesen Kampf gewonnen habe, weil das genau das Match war, das ich gebraucht habe", sagte er anschließend auf dem Court. "In den letzten beiden Turnieren habe ich nicht gut gespielt — und manchmal passieren gute Dinge, wenn man sich durch solche Spiele kämpft."
Geschichte: Das erste Mal seit Ivan Lendl 1988
Die historische Einordnung macht den Abend noch außergewöhnlicher. Nur beim zweiten Mal seit 1988 — als Ivan Lendl gegen Amos Mansdorf in der ersten Runde über fünf Sätze gehen musste — hat ein topgesetzter Spieler beim US Open in der ersten Runde alle fünf Sätze benötigt. Für Zverev, der nach seinem French-Open-Triumph erstmals als Nummer eins bei einem Grand Slam antritt, war es eine brutale Erinnerung daran, dass ein Ranking auf dem Tennisplatz keinen Schutz bietet.
Hätte Sonego gewonnen, wäre es eines der größten Upsets in der Grand-Slam-Geschichte gewesen. Stattdessen geht Zverev weiter — erschöpft, selbstkritisch, aber ungeschlagen. Die öffentliche Ehrlichkeit des Deutschen war bemerkenswert: Er bestätigte, dass seine Form in den Wochen vor dem US Open bei beiden vorgelagerten Masters-Turnieren unter seinen eigenen Ansprüchen lag. Das Fünf-Satz-Abenteuer gegen Sonego könnte psychologisch als Befreiungsschlag wirken — oder als Warnsignal für die Konkurrenz, die nun weiß, wo Schwächen zu finden sind.
Formtest bestanden — aber wie?
Was bleibt, ist eine zwiespältige Botschaft. Zverev hat gezeigt, dass er kämpfen kann und in einem Augenblick höchsten Drucks die Nerven behält. Das ist wertvoll. Aber ein Weltranglistenerster, der gegen einen Spieler aus den Top 90 nur jeden vierten Breakball nutzt, wird gegen die Elite des Feldes klar besser spielen müssen.
In der zweiten Runde wartet der Franzose Quentin Halys, der sich ebenfalls für Runde zwei qualifizierte. Halys hat seine Leistungen auf Hardcourt in den vergangenen Monaten deutlich gesteigert und wird gegen den Topgesetzten keine Angst haben. Zverev benötigt eine deutliche Leistungssteigerung — in der Fehlerquote, bei den Breaks, in der Konstanz über alle Sätze. Das US Open 2026 ist für ihn noch absolut offen, aber der Weg zum Titel führt über deutlich stabilere Auftritte als diesen.
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